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Soldat im Einsatz - Partnerschaft im Einsatz

Praxis- und Arbeitsbuch für Paare und Familien in Auslandseinsatz und Wochenendbeziehung

Dr. Peter Wendl

Der Buchtitel deutet die Ausgangslage an: Streitkräfte der Bundeswehr, die sich im Einsatz befinden, bedeuten gleichzeitig, dass nicht nur die Soldatinnen und Soldaten im Einsatz sind. Vielmehr betrifft dies auch die Partnerinnen und Partner, die Familien, die Kinder und weitere Angehörige, die vor einer herausfordernden "Einsatzzeit" mit Entbehrungen, Belastungen und nicht selten auch Ängsten stehen. Ebenso davon betroffen sind begleitende Personen des psychosozialen Netzwerks.

Die Erlebnisse dieser Einsatzzeiten können für Soldatinnen und Soldaten sowie für ihre Angehörigen durchaus eine bereichernde Erfahrung sein. Oft sind diese Phasen aber verbunden mit großen Herausforderungen für Partnerschaft, Familie und Erziehung. Denn mindestens zwei verschiedene Lebenswelten machen in der Fernbeziehung "rund um Befürchtungen, Abschied und Wiedersehen" den Alltag der Partner aus. Und diese unterschiedlichen Erlebniswelten müssen im Alltag nach der Abreise getrennt voneinander "funktionieren". Zugleich müssen die Partner nach der Rückkehr, die Eindrücke und Erfahrungen verarbeiten, langsam neu zueinanderfinden. Hat das Paar Kinder, betrifft dies deutlich mehr Personen.

Ein "Selbstläufer" sind solche Zeiten der Distanz weder für die Beziehung noch für die Erziehung von Kindern. Und jeder Einsatz wirkt anders. Dies gilt umso mehr, wenn Auslandseinsätze existentielle Gefährdungen und/oder auch Ängste für Soldaten, aber auch für deren Angehörige mit sich bringen. Allerdings werden diese Befürchtungen sehr häufig verdrängt oder von den Betroffenen sehr unterschiedlich empfunden und bewertet. Die Partner wollen einander meist nicht unnötig belasten, sich gegenseitig verschonen, oder sie sind unsicher, wie sie überhaupt über diese schwierigen Themen sprechen sollen.

Andererseits zeigen die Erfahrung sowie die Auswertung von über 150 Seminaren mit mehr als 900 Soldaten und ihren Angehörigen, welch große Befreiung es für die überwiegende Zahl der Teilnehmer ist, sich mit dem Partner/der Partnerin und anderen Betroffenen über Fragen, Erfahrungen und Bedenken sowie über Erwartungen oder Befürchtungen und hilfreiche Strategien austauschen zu können. Hierfür bietet das neue Buch "Soldat im Einsatz Partnerschaft im Einsatz" wertvolle Orientierungen sowie einfach nachvollziehbare Grundlagen um gemeinsam eine hilfreiche Strategie zu entwickeln.

Dabei geht es keinesfalls darum, Ängste zu schüren oder ein Belastungsszenario zu entwerfen. Die Begleitung der Paare und Familien zeigt jedoch, dass drei Hauptbereiche an Ängsten unterschieden werden können.

  • Als eine eigene Kategorie können körperliche (physische) Bedrohungen genannt werden: Dazu zählen z. B. die Angst vor Tod oder Verwundung.

  • Eine zweite Kategorie ist damit eng verbunden. Dabei handelt es sich um seelische (psychische) Bedrohungen: Hierzu gehören z. B. die Angst vor Veränderungen der Persönlichkeit, vor Traumatisierung oder Burnout, aber auch die Angst vor einem "ungesunden" Umgang mit dem Erlebten. Hier sind auch Ängste vor aktivem Schusswaffengebrauch der Soldaten und den sich daraus ergebenden, möglichen psychischen Konsequenzen zu nennen.

  • Eine dritte Hauptkategorie sind soziale Bedrohungen durch den Einsatz: Typisch ist die Angst vor negativen Veränderungen in den Beziehungen. Einige Beispiele, die diese Ängste beeinflussen können, sind Fragen nach dem "Auseinanderleben" und der Treue der Partnerschaft, mögliche negative Veränderungen in der Familie (in den Beziehungsqualitäten, den Rollen und Zuständigkeiten) oder Störungen im Verhältnis zu den Kindern sowie Erziehungsprobleme. Hinzu können die Ängste von Kindern kommen. Sie äußern sich nicht selten indirekt in Sätzen wie: "Mama, ist Papa im Krieg?", "Wie lange sind vier Monate?", oder auch "Hat Papa uns nun weniger lieb, weil er so lange weg ist?".

Wenn Ängste auf Dauer nicht angesprochen werden können, beginnen die Partner, das Verhalten oder die Gefühle des Anderen zu interpretieren. Dies kann neue Belastungen oder Fehleinschätzungen mit sich bringen. Von der zusätzlichen Belastung durch eigene, unterdrückte Ängste ganz zu schweigen. Deshalb gilt die zeitlose Orientierung für alle Betroffenen: "Ängste werden durch Verschweigen selten leichter!" Und: "Heimliche Wünsche werden unheimlich selten erfüllt!" Der Vernetzung der Angehörigen der Soldaten kommt dabei eine besonders wichtige Rolle zu, um den Austausch der Betroffenen zu erleichtern.

 

Neben dem genannten Buch erschien von Peter Wendl als Arbeitshilfe für "Multiplikatoren" zu diesem Thema das dazugehörige pastoralpsychologische Konzept für die Katholische Militärseelsorge:

"Streitkräfte im Einsatz Familie im Einsatz. Belastung zu Stärken machen. Eine Handreichung und Arbeithilfen für die Katholische Militärseelsorge"

Damit verbunden sind zahlreiche Instrumente zur Bewältigung der Herausforderungen: zur qualifizierten Begleitung der betroffenen Paare und Familien, aber auch für die Seelsorger und Seelsorgerinnen selbst (Mitarbeiter im psychosozialen Netzwerk). Dabei werden die Fundamente zur Minimierung von Ängsten und Belastungen sowie grundlegende Informationen für die Bewältigung der Fernbeziehung im Kontext der Auslandseinsätze praxisnah vermittelt, so dass sie für die betroffenen Paare und Familien zur Orientierung und Hilfestellung genutzt werden können.

Darüber hinaus ist im Rahmen des Projekts von Peter Wendl der folgende Leitfaden erschienen:

"Psychohygiene von Militärseelsorgern. Ein `Resilienz-Routenplaner` - Spiritualität und psychische Widerstandsfähigkeit im Kontext von Auslandseinsätzen stärken"